Umgang mit depressiven Angehörigen/Freunden

Depression ist eine häufig vorkommende psychiatrische Erkrankung. Sie weist eine Häufigkeit (Punkt-Prävalenz) von 5,6% auf. Dies bedeutet, dass von 20 Personen, mindestens eine, an einer Depression leidet. Die Erkrankung kommt weltweit, unabhängig von Kulturunterschieden und in jedem Lebensalter, vor. Oft liegen gleichzeitig weitere somatische oder psychische Erkrankungen bei den Betroffenen vor.

 

Trotz dem häufigen Vorkommen der Erkrankung und den deutlichen damit verbundenen Symptomen, wird diese tabuisiert und von den Betroffenen, aber auch den Angehörigen, immer wieder verneint. Besonders beim Umgang mit depressiven Personen können Angehörige und Freunde, ein wichtiger Baustein in deren Gesundung sein. Oft besteht jedoch bei den Angehörigen eine Unwissenheit, wie man den betroffenen Personen begegnen und helfen kann.

 

Deswegen finden Sie hier einige praktische Tipps, die Angehörigen, oder Freunden von depressiven Personen, beim Umgang mit diesen und ihrem depressivem Erkrankungsbild, helfen sollen.



Sich selber über die Depression informieren.

Ganz wichtig ist, dass man, auch als Angehöriger oder Freund einer depressiven Person, sich selber über diese Krankheit informiert. Durch das erlangte Wissen, kann der Angehörige / Freund, besser mit dem Erkrankten umgehen. Angehörige, aber auch Freunde der depressiven Person, können sich durch das Lesen von Ratgebern, oder Sachbücher zur Thematik, sowie durch das Lesen von entsprechenden Internet-Informationsseiten, oder durch die Teilnahme an einer psychoedukativen Angehörigengruppe, informieren.

 

Aufgrund des mittlerweile ubiquitären Internetzuganges, erscheint der Abruf von Internetseiten zur Depression, als eine der am raschesten durchführbaren Aktivität zur Informationsgewinnung.

 

Zwei Internet-Seiten, welche umfassende Informationen zur Thematik anbieten, sind folgende:

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/depression/inhalt

 

http://www.buendnis-depression.at/

 

Für diejenigen, die gerne ein Buch lesen wollen, erlaube ich mir Ihnen hier drei Bücher, welche sich auch an die Angehörigen richten, als Beispiel zu nennen:

„Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist: Wie man Angehörigen oder Freunden hilft“, Laura Epstein Rosen, Xavier F. Amador, rororo Verlag, 2002.

 

„Depression. Helfen und sich nicht verlieren: Ein Ratgeber für Freunde und Familie“, Huub Buijssen, Beltz Verlag, 2 Auflage, 2013.

 

„Ratgeber Depression: Informationen für Betroffene und Angehörige“, Martin Hautzinger, 2017, hogrefe Verlag.

 

Zusätzlich könnte man an einer psychoedukativen Angehörigengruppe teilnehmen. Diese werden meistens von Psychologen, oder Psychiatern angeboten. In diesen Gruppensitzungen erhält man Informationen über die Symptome, Ursachen und über den Verlauf der Erkrankung. Zusätzlich erfährt man näheres zu möglichen Behandlungsoptionen und Selbsthilfemöglichkeiten. Außerdem bietet die Gruppen-Psychoedukation die Möglichkeit, sich mit anderen Angehörigen von depressiven Personen auszutauschen.

 

Nicht unerwähnt soll, die Möglichkeit, bei Einverständnis der depressiven Person, ein gemeinsames Gespräch, zu dritt, mit dem behandelnden Arzt, zu dieser Thematik zu führen, bleiben. 



Hilfe anbieten, Verständnis und Interesse zeigen, loben und Mut machen.

Besonders hilfreich ist für die depressiven Personen, wenn sie die aktive Unterstützung von Angehörigen und Freunden, bei ihrem Genesungsweg, erfahren. Nehmen Sie sich die Zeit ihrem depressiven Angehörigen / Freund zuzuhören.

 

Dadurch können Sie erfahren, wie er sich aktuell fühlt und welche Bedürfnisse aktuell bestehen. Seien Sie präsent und bieten Sie ihm ihre Hilfe an. Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, aber auch bei der Suche nach geeigneter Hilfe (Suche nach Psychiater, Begleiten des depressiven Angehörigen zum Termin beim Arzt).

 

Obwohl Sie manchmal auch auf Ablehnung oder heftige Zurückweisung stoßen können, sollten Sie sich nicht dadurch entmutigen lassen. Bleiben Sie geduldig und vermeiden Sie Konfliktgespräche. Erinnern Sie jedoch den Betroffenen, dass Depression eine psychiatrische Erkrankung ist und dass bereits mehrere gute Therapien dafür existieren. Versuchen Sie dem Betroffenen Mut zu machen, ohne jedoch in Belehrungen oder Schuldzuweisungen hineinzufallen (z.B. nicht sagen: „Du musst Dich zusammenreißen“, „Du bist faul“). 



Den Alltag für die depressive Person einfacher gestalten, jedoch auf die Autonomie der depressiven Person achten.

Depressive Patienten haben oft Schwierigkeiten normale Alltagstätigkeiten zu bewältigen. Je nach Schwere der Erkrankung, kann die erlebte Antriebslosigkeit so stark sein, dass auch die eigene alltägliche Körperhygiene vernachlässigt wird. Angehörige oder Freunde, können dem Be- troffenen bei der Bewältigung des Alltags unterstützen (Lebensmittel einkaufen, Kochen, Staubsaugen, Abwaschen etc.) und somit dem Betroffenen einen Freiraum zur Genesung anbieten.

 

Es soll jedoch immer auf die Autonomie der depressiven Person geachtet werden. Man soll nicht alle Aufgaben vom Betroffenen übernehmen. Dies könnte sich auf diese negativ auswirken und sie in ihrer Annahme, dass sie nichts mehr schaffen können, bestärken. Dadurch kommt es zu einer Verstärkung der negativen Sichtweise des Betroffenen und zu einer weiteren Verminderung des Selbstwertgefühls. Somit sollte man immer wieder auf ein Mitwirken des Betroffenen achten, z.B. beim Kochen mithelfen, indem er den Salat wäscht, oder die Tomaten schneidet.

 

Auch bei der Suche nach Betreuungsangeboten und Hilfen, sollten Angehörige den Wünschen des Betroffenen zuhören und auf diese eingehen. Versuchen Sie ihn zu motivieren professionelle Hilfe aufzusuchen. Unterstützen Sie ihn bei der Suche. Begleiten Sie ihn bei entsprechenden Terminen. Respektieren Sie jedoch das Tempo des Betroffenen und vermeiden Sie Druck auszuüben. 



Zeit für sich selbst nehmen.

Um jemanden helfen zu können, muss man zuerst auf die eigene Gesundheit achten. Die Betreuung eines depressiven Angehörigen oder Freundes, kann sehr energieaufwendig sein. Deswegen sollte man immer darauf achten, dass man sich auch Zeit für sich selbst nimmt.

 

Durch die Wahrnehmung von angenehmen Aktivitäten, Treffen mit Freunden sowie Erledigung privater Angelegenheiten, sorgt man dafür, dass man seine eigene Lebensfreude und Gesundheit bewahrt.

 

Außerdem kann man, durch die bewusste Wahrnehmung von Entspannungsaktivitäten, seine Energiereserven füllen, damit man wieder aktiv dem Erkrankten zur Seite stehen kann. Bei Sorge um den Angehörigen, dass er allein nicht zu Recht kommen würde, könnte beruhigend wirken, wenn man sich mit anderen Personen, welche den Betroffenen kennen, in der Obsorge für diese Zeit abwechselt.



Gefühle zulassen.

Beim Umgang mit einem depressiven Angehörigen, kann es zur Erzeugung von negativen Gefühlen bei sich selber kommen. So kann leicht Frust beim Angehörigen aufkommen, da der Betroffene die Leistungen und Bemühungen, die man für ihn unternimmt, nicht anerkennt oder diese sogar ablehnt.

 

Da depressive Personen auch mit Zunahme der Erkrankungs-Symptomatik unfähig sind, wie Pitschel-Walz schreibt, „kleine alltägliche Aufmerksamkeiten – einen liebevollen Blick, ein Streicheln, verständnisvolles Zuhören, ein ermunterndes Wort - zu zeigen“, fehlt es bei dem Angehörigen an, früher vorhandenen, positive Erlebnissen. Somit erlebt sich der Angehörige, als jemand der ständig gibt, aber nichts zurück bekommt.

 

Auf die Dauer wird das Unterdrücken von negativen Gefühlen schwierig und führt zu einer erhöhten Reizbarkeit und Irritation, sowie zu einem deutlichen psychischen Druck beim Angehörigen. Deswegen ist es wichtig, negative Gefühle, wie Trauer, Wut, Ärger, Enttäuschung, Angst, Hilflosigkeit oder Verzweiflung, zuzulassen und zu versuchen, für sich erfolgreiche Bewältigungsmechanismen dafür zu finden.

 

Somit könnten Verhaltensweisen, wie die nachfolgenden, ein Weg sein, die empfundene Wut auf den Angehörigen zu reduzieren: aktives Nachgehen von Sport (wie Joggen, oder Boxen), laute Musik hören, in einem Kissen seine Wut aus-boxen, oder sich mit einem Freund austauschen.



Hilfe in Anspruch nehmen.

Besonders wichtig ist es, auch als Angehöriger, anzuerkennen, ab wann man selber Hilfe braucht. Es ist ein allgemein für gültig geglaubter Irrtum, dass man mit allen Problemen alleine fertig werden muss.

 

Die Wahrnehmung von Hilfe, wird eher als Scheitern erlebt. In Wirklichkeit jedoch, ist das Erkennen der Notwendigkeit Hilfe zu erhalten, ein Zeichen von Kompetenz. Es ist möglich, dass auch Angehörige, oder Freunde einer depressiven Person, eine psychotherapeutische oder psychiatrische Betreuung benötigen, um mit der erlebten Situation und den möglichen in sich erzeugten negativen Gefühlen, umgehen zu können.

 

Außerdem könnte man sich, bei gegebener Möglichkeit in der Hauptlast der Betreuung des depressiven Angehörigen, mit anderen Angehörigen abwechseln. Wichtig ist, dass man sich stets seiner eigenen Belastungs-Grenzen bewusst ist und auf das eigene Wohl, sowie auf die eigene Gesundheit achtet.


Quellen:

G. Pitschel-Walz Lebensfreude zurückgewinnen Urban Fischer Verlag, Mai 2003, München, Jena.
Schmauß M. (2014) Unipolare Depression – Pharmakotherapie und Psychotherapie. Aus dem Buch: „Therapie psychischer Erkrankungen – State of the Art.“, Hrsg. Voderholzer U., Hohagen F., 9. Auflage, 2014, Urban Fischer Verlag, Elsevier GmbH, München.


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